75 Jahre Loge zur Weltbruderkette
75 Jahre Loge zur Weltbruderkette | 31 Mit 40 Jahren schien mein Leben vollständig: erfolg- reicher Beruf, Haus, Ehefrau, gesunde Tochter – sogar ein Apfelbaum war gepflanzt. Auf dem Papier war alles perfekt. Und doch stellte sich leise, fast unmerklich die Frage: War das wirklich alles? Trotz äußerem Erfolg fehlte etwas – Sinn, Tiefe, geistige Erfüllung. Ich begann zu suchen, zu lesen, Gespräche zu führen. Diese Suche führte mich zur Freimaurerei. Dort fand ich keine ferti- gen Antworten, aber einen Weg: einen Raum der Refle- xion, der Menschlichkeit und der Selbsterkenntnis. In der Gemeinschaft von Brüdern lernte ich, mich selbst zu hinterfragen und an meiner Persönlichkeit zu arbei- ten. Rituale, Symbole und Gespräche eröffneten mir eine neue Dimension des Denkens und Fühlens. Ich erkannte, dass es nicht um Status oder Besitz geht, son- dern um innere Wahrheit, Demut und die Arbeit an sich selbst. Die Freimaurerei hat mir geholfen, das Wesent- liche zu erkennen – in mir selbst und im Leben. Heute weiß ich: Ich bin angekommen, aber der Weg geht wei- ter. Und ich möchte diesen Weg bis an mein Lebensende nicht mehr missen. Bruder seit 2015 Oliver Knobloch Schon während des Studiums habe ich mich dafür inter- essiert, mich mit gleichgesinnten Menschen zusammen- zutun, um an mir selbst zu arbeiten. Zunächst führte mich meine Suche zu Studentenverbindungen und ähnlichen Einrichtungen. Die Rückwärtsgewandtheit und die unre- flektierte Pflege althergebrachter Traditionen hat mich jedoch eher abgeschreckt. In Verbindung mit meinem Interesse für Geschichte und historische Romane, das mich seit meiner Kindheit begleitet, bin ich bei meiner Suche auch früh über die Freimaurerei gestolpert. Auch hier kamen mir die beanspruchten Wurzeln, die bis in die Antike reichen sollten, zunächst seltsam und anmaßend vor. Nach meinem Start ins Berufsleben erfuhr ich, dass ein Kollege, den ich aufgrund seiner Lebenshaltung sehr schätzte, Freimaurer war. So hatte ich endlich jemanden gefunden, der mir eine „Innenperspektive“ geben konnte. Bei unseren Gesprächen lernte ich, dass freimaurerische Rituale eine Form der gedanklichen Übung sind und es um ein geistiges Erbe geht, dessenWurzeln bis zumBeginn der Menschheit zurückreichen. Heute ist dieser Kollege nicht nur ein Bruder im Geiste, sondern ein väterlicher Freund. Bruder seit 2019 Gerhardt Weitkunat
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